Fragen und Antworten zur Gaskrise

07. Sep 2022

Warum befinden wir uns aktuell in einer Gas-Krise? Bleiben wir weiterhin von russischen Gaslieferungen abhängig?

Warum befinden wir uns aktuell in einer Gas-Krise?
Der Anteil russischen Erdgases an den deutschen Gasimporten stieg in den letzten Jahren, nicht zuletzt aufgrund des günstigen Preises, auf bis zu 50% an. Seit Beginn des Ukraine Krieges im Februar 2022 wurden die Exporte Russlands immer mehr gekürzt. Aktuell (September 2022) wird über die Ostseepipeline Nordstream 1 kein russisches Erdgas mehr nach Deutschland geliefert.

Bleiben wir weiterhin von russischen Gaslieferungen abhängig?
Zumindest kurzfristig bleibt eine gewisse Abhängigkeit von russischem Gas bestehen, auch wenn im letzten halben Jahr einiges unternommen wurde, um diese Abhängigkeit zu vermindern:

  • Die Importe aus Ländern wie Norwegen, Belgien, Niederlande u.a. wurden im Rahmen der Möglichkeiten dieser Länder deutlich erhöht. Norwegen hat Russland zwischenzeitlich als wichtigstes Lieferland abgelöst.
  • Der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat deutlich Fahrt aufgenommen, wie auch die verstärkte Nutzung von Biogas.
  • Es werden bis Ende des Jahres voraussichtlich 2 schwimmende LNG (Liquified Natural Gas – verflüssigtes Erdgas) Terminals an der Nordseeküste in Betrieb genommen. Mit diesen Terminals wird das verflüssigte Erdgas wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und ins Erdgasnetz eingespeist. Weitere (mind. 3 ) LNG Terminals sind in der konkreten Planung. Die Haupt-LNG-Lieferanten sind die USA und Katar, zukünftig auch der Senegal und Nigeria.

Warum überhaupt ein Notfallplan Gas?
Der Notfallplan ist notwendig um rechtzeitig Maßnahmen vorzusehen oder zu ergreifen um die Versorgung mit Erdgas möglichst lange aufrecht zu erhalten. Im Extremfall können hierzu sog. Nicht geschützte Kunden von der Versorgung ausgenommen werden.

Was bedeutet Frühwarn-/Alarm-/Notfallstufe?
Die Frühwarnstufe ist die niedrigste Statusstufe des Notfallplans Gas. Sie wurde erstmals am 30. März 2022 ausgerufen. Der Grund: Die Bundesregierung sah konkrete, ernstzunehmende und zuverlässige Hinweise darauf, dass ein Ereignis eintreten kann, welches wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt.
Zur weiteren Vorbereitung trat ein Krisenstab zusammen, der Behörden und Energieversorger umfasst. Versorger und Betreiber der Gasleitungen müssen nun regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einschätzen.

Etwas weitgehender ist die Alarmstufe. Sie wurde am 23. Juni 2022 aktiviert. Das bedeutet, dass der Bund eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas feststellt, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. Allerdings ist der Energiemarkt noch in der Lage, diese Störung zu bewältigen.
Mögliche Maßnahmen sind hier bereits einschneidender. Energieversorger können etwa unter bestimmten Bedingungen höhere Einkaufspreise schneller als sonst direkt an Kunden und Kundinnen weitergeben. Auch werden eigentlich bereits abgeschaltete Kohlekraftwerke wieder ans Netz gebracht, damit Erdgas bei der Stromproduktion eingespart wird.

Letzte Aktivität im Rahmen des Notfallplans Gas ist die Ausrufung der Notfallstufe: Sie tritt in Kraft, wenn eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage festgestellt werden kann.
In diesem Fall kann die Bundesregierung mit direkten Maßnahmen in den Markt eingreifen. Vor allem geht es nun darum, dass besonders geschützte Kundinnen und Kunden, d.h. Privatverbraucherinnen und -verbraucher oder etwa Krankenhäuser, weiterhin Erdgas zum Heizen geliefert bekommen. Betriebe werden dann nach Relevanz ggf. von der Erdgasversorgung getrennt.

Was kann ich denn tun, um Erdgas zu sparen?
Es gibt viele Maßnahmen, die dabei helfen, weniger Erdgas zu verbrauchen. Vieles davon ist sehr einfach. Wenn Sie beispielsweise die voreingestellte Raumtemperatur nur um ein Grad senken, spart das bereits sechs Prozent der Heizenergie. Jedes weitere Grad bringt hier weitere sechs Prozent. Auch kürzer oder weniger heiß zu duschen kann Energie sparen.

Wie kann ich mich denn auf steigende Erdgaspreise vorbereiten?

  • Verbrauch reduzieren: Kurzfristig und schnell wirkt vor allem eines: Gas sparen, wo es nur möglich ist. Das gelingt bei den meisten leicht über kleine Anpassungen des eigenen Verhaltens. Sicher kann mancher mehr tun als andere. Aber wenn 83 Millionen Menschen nur ein bisschen tun, kommt am Ende auch eine große Gesamtersparnis zustande!
  • Geld für Nachzahlungen zurücklegen: Da sich für die nähere Zukunft weitere Verteuerungen ankündigen, ist eine Vorbereitung darauf ebenfalls klug. Also: Für alle Fälle sollten Sie bereits Geld zurücklegen.


Was hat es mit der neuen Lieferanten-Umlage auf sich, die ab Oktober 2022 auf den Gaspreis aufgeschlagen wird?
Die sog. Gasumlage wird erhoben, um systemrelevante Importeure von Erdgas, welche längerfristige Verträge mit russischen Unternehmen abgeschlossen haben und diese Mengen bereits z.B. an Stadtwerke verkauft haben, vor der Insolvenz zu schützen. Diese Insolvenzen würden dadurch hervorgerufen, dass die Importeure das Gas, welches durch Russland (vertragswidrig) nicht geliefert wird, sehr viel teurer aus anderen Quellen beziehen müssen.
Würden die Importeure nicht geschützt und in die Insolvenz schlittern könnte es durch „Dominoeffekte“ zu viel weitreichenderen Konsequenzen in der Versorgerbranche mit dann unabsehbaren Folgen für Preise und Versorgungssicherheit kommen.
Die Höhe der Umlage wurde erstmals am 15.08.2022 durch das Unternehmen Trading Hub Europe (THE), ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber, veröffentlicht und beträgt ab dem 01.10.2022 2,419 Cent pro kWh. Die Umlage kann zum 01.01.2023 erstmalig angepasst werden. Die Umlage ist von allen Gaskunden zu tragen.

Und was ist eigentlich diese Gasspeicher-Umlage?
Deutschland unterhält eine ganze Reihe von Gasspeichern. Das sind teilweise tatsächliche Gebäude mit Stahlhülle, teilweise aber auch unter der Erde liegende Kavernen, wo Erdgas für eine spätere Nutzung gespeichert werden kann. Die meisten dieser Speicher wurden vor einigen Jahren an Gazprom verkauft. Mit Beginn des Ukraine-Krieges und nach der Preisgabe der deutschen Tochter von Gazprom durch das russische Mutterunternehmen hat die Bundesregierung die Hoheit über die Gasspeicher wieder übernommen. Insgesamt kann hier etwa ein Viertel des deutschen Erdgasbedarfs gespeichert werden. Teilweise waren die Gasspeicher komplett leer. Da aber in den vergangenen Monaten die Lieferung von Erdgas aus Russland immer weiter reduziert wurde, hat die Bundesregierung beschlossen, dass die leeren oder weitgehend geleerten Speicher bis zum Beginn des Winters am besten komplett gefüllt werden müssen. Dafür muss natürlich der hohe Einkaufspreis für Erdgas an den Gasmärkten bezahlt werden. Da das gespeicherte Erdgas nicht für den direkten Verbrauch gedacht ist, sondern erst dann ins Gasnetz abgegeben werden soll, wenn kein Gas mehr nach Deutschland fließt oder zumindest eine starke Mangellage besteht, kann dieses Erdgas nicht unmittelbar weiterverkauft werden, um die hohen Kosten zu refinanzieren. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung die Gasspeicher-Umlage beschlossen. Mit dieser werden die Kosten für die Befüllung der Gasspeicher auf alle Gas-Kundinnen und Kunden umgelegt.
Die Veröffentlichung der Gasspeicherumlage erfolgt erstmals Mitte August, „spätestens sechs Wochen vor Beginn des Geltungszeitraumes“.

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